Mein vierter Roman, Die Büßer von Mallorca, ist auf dem Markt.
Er spaltet das Leserpublikum, wie immer, in Pro und Kontra. Aber seit meinem Interview vom Dezember 09 erreichen mich zunehmend Mails von Lesern/innen, die sich mit dem Inhalt meiner Bücher beschäftigen und sich outen, dass sie gerne selbst schreiben...oder würden.
Das ist ein interessanter Aspekt für mich, der sonst einer anonymen Leserschaft gegenüber steht. Eine Meinung hier. Eine Meinung dort. Jeder kann sich auf meiner homepage über den Stand der Meinungen in der Abstimmung selbst überzeugen.
Es tauchen Fragen meiner Leser auf, die sie direkt an mich stellen. Sei es zu meinen Romanen, sei es zu mir, wie ich was mache und wie ich zu den stories komme. Kurz, es ist inzwischen eine Vielzahl geworden. Ich beantworte jede Frage direkt.
Aber es sind auch Fragen dabei, die vielleicht meine gesamte Leserschaft interessieren. Die stelle ich hier in einem Frage und Antwort Katalog zusammen. Es sind Extrakte aus der Korrespondenz und die Fragesteller bleiben anonym. Ich nenne nur die Gegend und den Vornamen, aus welcher Ecke sie gestellt wurden.
Dies wird unter meinen „News“ angesiedelt und einmal im Quartal vervollständigt.
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Warum dauert es solange bis zum nächsten Roman?
Ich nehme diese, inzwischen oft gestellte Frage, mal vorweg am 07.05.10
Mich erreichen nach den Büßern von Mallorca bald täglich diese Fragen. Vorweg sage ich mal DANKE an die Fans von Peter Stösser. Es wird ihn auch weiter geben. Der Thriller für 2011 ist im Verlag. Der für 2012 wird dieses Jahr fertig.
Womit ich bei der Beantwortung nach der Zeit bin. Es ist ein grundsätzliches Zeitproblem. Um einen Peter Stösser Roman fertig zu bekommen, benötige ich ca. 8 Monate. Alles an Recherche im Net und vorort durch Reisen inclusive.
Dann geht es an den Verlag. Der hat jetzt zwei Monate für das Cover und alle Korrekturen. Womit wir bei Monat 10 wären. Dann erfolgen noch Feinkorrekturen und Abstimmungen mit der Marketing und Vertriebsabteilung, bevor die Drucklegung stattfinden kann. Dazwischen muss noch alles in die Prospekte und Internetwerbung integriert werden. Voranabdrucke an professionelle Rezensenten etc. Es ist ein Riesenaufwand, um einen Roman auf den Markt zu bringen.
Da nützt es auch nichts zu fragen: warum packt ihr nicht gleich alles auf das E-book. Datei laden, fertig.
Wenn das so einfach wäre. Nein, erst wird der Druck gemacht, von dem das E-book erstellt wird. Nicht umgekehrt. Das hat auch Urheberrechtliche Gründe. Sonst könnte jeder Autor ja kostenlos seine Romane öffentlich ins Netz stellen. Und wovon lebt er dann?
Ich hoffe, die o.a. Frage befriedigend beantwortet zu haben. Und nun weiter im Text....
Inge aus Wiesbaden
...ich versuche mich selbst an einem Krimi. Was ein Exposé ist, weiß ich inzwischen. Eine Zusammenfassung meines Romanes auf drei Seiten. Aber was ist ein PITCH?
...der Pitch kommt aus dem Drehbuchbereich und ist nichts anderes, als das Exposé auf ein Minimum einzudampfen.
Stell dir vor, der Verlag fragt dich was der Inhalt deines Romans sein wird. Du hast nur einen einzigen Satz als Antwort.
Du kennst deinen Roman und willst endlich einen Verlag dafür finden. Dann kommt diese Frage unweigerlich auf dich zu. Nun gut, man wird dir auch ein paar Sätze mehr gestatten. Aber mehr als fünf dürfen es nicht sein. Also den Sinn deines Romans in sehr wenigen Worten zusammenzufassen ist ein Pitch.
Schau dir die Klappentexte anderer Bücher, oder die Filmbeschreibungen in deiner Fernsehzeitung an. Das sind alles Pitches....
Michael aus Umkirch/Freiburg
...wusstest du, als du deinen Roman „Im Schatten des Münsters“ schriebst, dass der Wochen danach Wahrheit wurde und der Ärger zwischen der Markgräflichen Familie und dem Land Baden-Württemberg wahr werden würde. Dass hier wirklich in Freiburg keinerlei Besitzverhältnisse zwischen Kirche und Land geregelt sind? Woher hattest du diese Infos?
...ich hatte keine Ahnung. Nur, ich kannte diesen Stadtstreicher Otto sehr gut und wunderte mich nach seinem Tod, dass ein Streit um sein Erbe entbrannte. Welches Erbe? Der Krüppel hatte doch nichts? Erst da fing ich an zu recherchieren und kam auf diese wundersame Verflechtung, Der Mann war steinreich, aber ohne weltliche Rechte. Und das habe ich beschrieben. Erst dann kam die Prozesslawine zwischen Adel und Land ins rollen. Ich war nicht der Auslöser. Nur der unfreiwillige Dokumentator im Voraus. Manchmal muss man als Autor auch Glück haben und zum richtigen Zeitpunkt auf dem Markt sein.
Susanne aus München
...deine Romane sind super spannend. Nur mich stören diese teilweise abgehackten, kurzen Sätze. Die bringen mich total aus dem Lesefluss. Geht das nicht ein wenig flüssiger?
...ich bin keine Romantiker, der einen Redeschwall braucht um Situationen be- und zu umschreiben. Ich weiß, dass gerade die Damen etwas mehr Gefühl bevorzugen. Aber da muss ich passen. Kurze Sätze erhöhen die Spannung, steigern das Tempo. Das merkst du, wenn du sie dir mal laut vorliest. Schachtelsätze sind ermüdend. Ich bin halt gewöhnungsbedürftig und kann nicht anders schreiben.
Oliver aus Kiel
...auf dem „Erbe der Loge“ steht ROMAN. Auf den folgenden Thriller. Wo ist da der Unterschied?
...Die Loge war mein erster Roman. Da wusste der Verlag noch nicht, wohin er ihn einordnen sollte. Dann steht Roman darauf. Der generelle Unterschied in den Genres Krimi/Thriller ist, dass im Krimi jemand im Auftrag eines anderen ermittelt. (Kripo, Staatsanwaltschaft etc.)
Im Thriller ist der Ermittelnde die Hauptperson, der Protagonist, dem es eigentlich an den Kragen geht. Er muss zusehen, dass er am Leben bleibt. Diese Unterscheidung hat sich nun mal so eingebürgert, da die Buchhandlungen oder online book shops eine Sortierfolge brauchen. Ordnung muss sein. Ob sie sinnvoll ist? Ich bestimme sie nicht.
Jens aus Hamburg
...ich versuche mich gerade selbst an einem Krimi. Mir fällt auf, dass du eine andere Art der Schreibe hast, als vergleichbare Autoren. Was machst du anders und worauf sollte ich bei mir achten?
...die Schreibe hat sich in den letzten Jahren der medialen Informationsflut angepasst. Der Leser will möglichst kurz und spannend unterhalten werden.
Meine Grundregel ist: möglichst wenige Adjektive und grundsätzlich keine Gerundien! Kurze Sätze. Schachtelsätze in Dialoge umwandeln.
Dialoge: die Grundregel beachten: Rede...Gegenrede, dann muss aber sofort eine Handlung folgen, sonst wird es anstrengend zu lesen.
Kurz, ich muss als Autor ein 3D Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen. Das darf nicht in ermüdende Beschreibungen des Umfelds ausarten. Das muss als Gestaltungsmittel nebenbei einfließen.
Yvette aus Wien
...mein Mann und ich sind bekennende Mallorca Fans. Wir haben die Büßer Prozessionen schon mehrfach verfolgt und uns gefragt, was haben die für eine Vergangenheit? Hinter jeder Bruderschaft steckt doch ein Geheimnis. Toll geschrieben von dir.
Nun meine Frage: wie lange hast du an diesem Thriller recherchiert und geschrieben?
...das habe ich schon in meinem Interview gesagt: mir war klar, dass es auf Mallorca seit der Inquisition sehr viele Juden gab. Deren Zahl wurde durch Ablassverkäufe drastisch gesenkt. Nur wo sind die Nachfahren der europäischen Juden nach dem Krieg geblieben? Niemand wollte mir darauf eine verlässliche Antwort geben. Selbst der Rabbi von Mallorca antwortete sehr ausweichend. Zu ausweichend, um nicht den Instinkt eines alten Reporters ansprechen zu lassen.
Dreimal war ich in der Karwoche dabei und fand das Vertrauen einiger „Brüßer“. So habe ich mich durch die jüngere Geschichte gewühlt und ein Mosaiksteinchen zu anderen gefügt.
Rücksprache mit dem Institut für Deutsche Geschichte in Berlin, dem Spanischen und Italienischen Geschichtsinstituten gehalten. Bis das Bild rund war. Die reine Schreibarbeit war dann in acht Monaten erledigt.
Rudolf aus Tel Aviv
...ich habe den "Den brennenden Dornbusch" am Flughafen gekauft, weil es mich interessierte, was ein deutscher Autor darüber schreiben könnte. Ich selbst bin Nachkomme polnischer Juden, die 1950 nach Israel kamen und habe als junger Soldat selbst am Jom Kippur Krieg teil genommen. Meine Hochachtung, wie du unser Land beschrieben hast. Du kennst die Mentalitäten beider Seiten bestens.
Aber, warum muss das ausgerechnet im Katharinenkloster spielen? Diese Mönche haben niemals jemandem etwas zu Leide getan.
...danke für das Kompliment. Aber die story ist in Absprache mit dem Patriarchen des Katharinenklosters entstanden. Deren Bibliothek ist ein Sesam öffne dich für jeden Geschichtsinteressierten. Und so friedlich waren die Mönche nicht. Sie beherbergen heute noch einen Schatz an toten Briefkästen für die verschiedensten Geheimdienste aus vielen Jahrhunderten.
Jeannette aus Palma
...ich bin seit zwanzig Jahren mit einem Mallorquiner verheiratet. ...habe die Büßer am Flughafen gekauft und finde den Roman Klasse. Aber, mein Mann gehört selbst einer Cofradia (Bruderschaft) an.
Ich weiß nicht, ober der Thriller, sollte er auf Spanisch erscheinen, hier viel Begeisterung hervorrufen wird. Die Bruderschaften sind da etwas eigen und äußerst empfindlich, da stockkonservativ. Ich frage mich, wie du an diese Infos kommen konntest?
...danke Jeannette. Ich fasse es als Kompliment auf. Aber ich denke nicht, dass man mich deswegen gleich zur persona non grata erklären wird. Wenn doch, dann wäre es ein Beweis mehr für meine Recherchen
Kay aus Berlin
...ich studiere Sprachen und muss daher viel lesen. Deine stories haben etwas von Jack London. Immer ist neben Spannung auch Abenteuer. Wie kommt ihr Autoren nur zu euren stories? Ich bin noch jung und würde auch gerne schreiben. Aber mir fällt nichts ein, was lesenswert wäre.
...mit dieser Frage bringst du wohl jeden von uns ins Schleudern. Sie wird oft gestellt, aber niemals befriedigend beantwortet...fürchte ich. Ich für meinen Teil halte mich an die Erkenntnis von Sumerset Maugham: Das Problem mit unseren jungen Erfolgsautoren ist, dass die alle schon über sechzig sind....
Was schon einen Teil deiner Frage beantwortet. Es steckt eine Menge Lebenserfahrung dahinter. Wenigstens bei mir.
Also meine Gegenfrage: warum schreibst du als junger Mensch nicht über deine Erfahrungen? Es macht keinen Sinn uns Alten nachzueifern. Ihr steht mitten im Leben, das ein ganz anderes ist, als unseres jetzt und damals, als ich noch so alt wie du war. Habt ihr nicht auch Spannendes zu erzählen? So langweilig kann das doch nicht sein ein junger Mensch zu sein. Also her mit euren stories. Traut euch mal was...
Rainer aus Erkrath
...ich verfolge jetzt dein viertes Buch. Wie ich aus deiner Vita entnehme, bist du nicht mehr berufstätig. Aber was macht so ein armer Hobbyschreiber wie ich? Ich habe einen vollen Job, eine Familie und schreibe seit fünf Jahren an einem Roman. Das Ding wird nie und nimmer fertig. Wie machen das andere, die auch arbeiten müssen? Hast du da einen Einblick?
...das Problem ist allgemein gültig für jeden, der nebenher schreibt. Es gibt viele kluge Bücher über time management in solchen Fällen. Und ich kann nachvollziehen, dass man irgendwann die Lust verliert, da der Autor ständig aus dem Schreibfluss gerissen ist.
Ich weiß nicht, was andere raten, aber ich habe meine feste Zeit zum Schreiben. (auch wenn ich keine Lust hätte) Zwei Stunden am Tag müssen drin sein. Und die Zeit kann man sich auch vom Job und der Familie freikämpfen. Die Zeit gehört mir. Und sonst niemandem. Dann wird eben mal nicht in die Glotze geschaut. Nicht der Rasen gemäht, nicht auf den Fußballplatz gegangen. Dieses Zeit ist inzwischen ein fester Bestandteil meines Lebens. Und da ist Ehemann und Papa von niemandem ansprechbar. Da kann soviel unangemeldeter Besuch kommen, wie er will. Die Tür bleibt zu. Ich schreibe. Basta. Anders geht es nicht. Und wenn die Welt inzwischen untergegangen sein sollte, dann erfahre ich das nachher noch früh genug.
Jutta aus München
...nach deinem Erbe der Loge habe ich mich gefragt, wer spinnt hier? Ich als Leser, oder du als Autor? Du treibst in einem Kapitel die Spannung auf die Spitze. Dann steigst du einfach aus und lässt den Leser hängen. Beim übernächsten Kapitel greifst du den Faden wieder auf. Und so geht das weiter. Das ist verdammt anstrengend zu lesen. Ich hatte mir geschworen...den Autor liest du nie wieder. Und jetzt, nach dem Mallorca Thriller, wird mir langsam klar, dass mir meine ganzen Schreibkurse wenig nützen. Ist das bewusste Mache von dir oder gibt es da Schreibregeln, die man so nicht lernen kann.
... es ist keine Mache von mir. Und warum man das in Fachkursen nicht vermittelt, kann ich nicht beurteilen. Es ist einfach die Dramaturgie. Sie wird im Film von den Amerikanern genutzt. Spannung erzeugen...Szenenwechsel...wieder Spannung erzeugen....Szenenwechsel...usw. Auflösung bis zum show down verschoben. Hitchcock war ein Meister darin. Es wird in der Literatur noch wenig genutzt. Man nennt es "revolvierendes Schreiben". Ist zugegeben für den Leser gewöhnungsbedürftig. Aber ich denke in filmischen Szenen und versuche das auch meinen Lesern zu vermitteln. Den Film im Buch vorwegzunehmen. Das ist meine Schreibe. Ich will einen Film mit meinen Romanen im Kopf des Lesers erzeugen. Daran ist mir gelegen. Kritiker sagen, ich schreibe das Drehbuch zu einem Roman um. Auch keine schlechte Definition.
Joshua aus Jaffa
...ich studiere Deutsch, Englisch und Geschichte und bekam deinen "brennenden Dornbusch" von meinen Eltern geschenkt. Er hat unter meinen Freunden in der Uni einige Diskussionen losgetreten. Zumal in letzter Zeit in der "Post" immer öfter über Morde an Hammas-Führern geschrieben wurde. Alle starben an Herzversagen. Vermutlich Gift. Aber was für eines, das sagt niemand. Das wird doch nicht Ricin sein? Das Zeug wächst bei uns in jedem Straßengraben.
Ich finde deinen Roman absolute Klasse. Sehen das deine Deutschen Leser auch so? Und woher hast du Informationen? Bist du beim Geheimdienst?
...nein Joshua und danke. Ich bin nicht beim Geheimdienst. Ich hatte nur Kontakte zu einem Mossad Mitglied. Das ist aber letztes Jahr leider verstorben (Todesart unbekannt) Und ja, ich habe die Infos aus den Reihen des Mossad. Mehr darf ich dazu nicht sagen.
Und meine deutschen Leser? Für die scheint das Thema nicht interessant genug zu sein. Den Thriller habe ich als Verlust abgehakt.
Shalom
Gabi aus Münster
...ich bin jetzt schon ein paar Jahre auf Mallorca im Urlaub. Ich finde die Insel toll. Nach deinem Roman möchte ich mir die Büßerprozession mal selbst ansehen. Ich habe schon in diesem Hotel gebucht, das du so hervorhebst. Wo finde ich die Infos zu dieser Prozession? Ach ja, ich hoffe, die Prozession ist nur halb so spannend, wie dein Thriller.
....du findest in der deutschen Inselzeitung in der Karwoche alle Prozessionen. Den Weg, den sie gehen. Was die Besonderheiten sind ect. Die Zeitung liegt in jeder Bar, Cafe, Restaurant aus. Kostet nichts und ist sehr informativ. Berichte mir, wie es dir gefallen hat. Und viel Vergnügen....und Grusel
Lothar aus Siegen
...ich verbringe meine Urlaube seit zwei Jahrzehnten auf Malle. Aber von den Büßerprozessionen habe ich noch nie gehört. Dieses Jahr habe ich gebucht. Dein Buch hat mich neugierig gemacht. Hoffentlich ist es so spannend und gruselig, wie du geschrieben hast.
...sorry Lothar. Ich bin auch oft auf Malle. Aber um anderes als Ballermann zu entdecken. Diese Prozessionen und ihre Hintergründe gehören für mich als Touri zur Allgemeinbildung.
Also viel Spaß. Absacker findest du genug im Fischerviertel. Ist nicht weit. Denn auch dort gibt es eine Gemeinde mit eigener kleinen Prozession. Aber die findet meist schon an Gründonnerstag statt. Dann reiht sie sich in die Hauptprozession am Karfreitag ein.